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Skifahren in Israel & Libanon

Wussten Sie, dass der Libanon auch „Schweiz des Nahen Ostens“ genannt wird?! Und wussten Sie, dass es auch in Israel ein – zwar verhältnismäßig kleines, aber sehr modern ausgestattetes – Ski-Resort gibt?!

Skifahren im Nahen Osten gilt für Europäer als exotischer Geheimtipp, der gerade als solcher seine Reize hat. Zwar mag man, angesichts der brisanten politischen Lage in der Region, dem „Pulverspaß auf dem Pulverfass“ zunächst skeptisch gegenüberstehen, aber ein näheres Hinsehen lohnt sich. Schon aufgrund ihrer Lage abseits im Gebirge blieben die Skigebiete von den turbulenten Geschehnissen bislang weitgehend unberührt. Das Pisten-Gefühl unterscheidet sich nicht von dem uns vertrauten, das Publikum jedoch ist bunter und die Aussicht vom verschneiten Berghang ins mediterrane Umland einfach spektakulär.

Israel – Skifahren auf den Golanhöhen

Israel, nur etwa so groß wie das Bundesland Hessen, gelegen am östlichen Rand des Mittelmeeres auf einer Landbrücke zwischen Afrika und Asien, ist nicht nur politisch und kulturell ein Land der Gegensätze. Auf seiner kleinen Fläche vereinigt das Land auch die unterschiedlichsten Klimazonen. Sie reichen von der Wüste Negev im Süden, über die sehr fruchtbaren Landstriche im Hinterland der Mittelmeerküste, bis hin zur Gebirgslandschaft im Norden des Landes.


Über dem Grenzdreieck Israel, Syrien und Libanon erhebt sich das Hermongebirge, dessen Ausläufer bis nach Israel hineinreichen. Am 2814 Meter hohen Mount Hermon entspringen die Quellflüsse des Jordan, und an seinen Hängen befindet sich auf einer Höhe von 1600 – 2040 Metern Israels einziges Skigebiet. Das mit etwa 45 Pisten-Kilometern relativ kleine, aber sehr moderne Resort verfügt über mehrere Liftanlagen, deren längste einen Höhenunterschied von ca. 500 Metern bewältigt. Gut ausgesteckte Routen sind in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden vorhanden, fortgeschrittene Skifahrer kommen ebenso auf ihre Kosten wie Anfänger oder Familien mit Kindern. Zwei der Abfahrts-Strecken wurden vom internationalen Skiverband anerkannt als Pisten mit Olympia-Standard, die längste Abfahrt im Resort hat eine Strecke von etwa fünf Kilometern.

Eine Skischule bietet Einzel- oder Gruppenunterricht. Komplette Ski- und Snowboardausrüstungen sowie moderne Schlitten für die Rodelbahn können vor Ort ausgeliehen werden. Bars und Restaurants gewährleisten Après-Ski-Vergnügen sowie leckere Verpflegung für zwischendurch. Skipässe sind mit unterschiedlicher Gültigkeitsdauer (von der Halbtageskarte bis zum Vier-Tage-Ausweis) zu entsprechend gestaffelten Preisen verfügbar.
Die Skisaison am Mount Hermon dauert etwa von Mitte Dezember bis Mitte März, gewöhnlich bestehen im Februar die besten Schneebedingungen. Bei klaren Wetterverhältnissen eröffnet sich unter tiefblauem Himmel eine sensationelle Weitsicht von bis zu 50 Kilometern, hinunter in die grünen Täler Israels oder hinüber zu den schneebedeckten Gipfeln Syriens und des Libanon.

Wegen der begrenzten Möglichkeiten ist Skifahren in Israel ein Exklusiv-Sport und kein ganz billiges Vergnügen. Vergnügen bereiten kann es dagegen gerade hier, so manchen der Gäste bei seinem ersten Ski-Abenteuer zu beobachten.

Libanon – die Schweiz des Nahen Ostens

Als Wintersport-Destination ist der Libanon in Europa noch immer weitgehend unbekannt. Dabei leitet sich sogar der Landesname von den weißen Gipfeln des bis zu 3000 Meter hohen Libanon-Gebirges ab: Die semitische Sprachwurzel „lbn“ bedeutet nichts anderes als „weiß“! Die geographische Lage des Landes am östlichen Mittelmeer und die dramatische Topographie des stark zerklüfteten Libanon-Gebirges ermöglichen eine Kombination von Ski- und Badeurlaub. Zwischen der Hauptstadt Beirut an der Küste und den Hochgebirgs-Gipfeln liegen nur wenige Kilometer Luftlinie. Der Libanon verfügt über die einzigen Skipisten in der arabischen Welt und zieht vor allem an den Winterwochenenden Tausende Besucher aus den benachbarten Ländern an.

Wer nun aber denkt, Skifahren im Libanon sei eine Mode-Erscheinung unter reichen Arabern, der irrt. Der Wintersport hat hier eine lange Tradition.
Alles begann mit dem jungen Libanesen Ranze Ghasui, der im Jahre 1913 vom Studium in der Schweiz in seine Heimat zurückkehrte und ein paar Skier mitbrachte. Er und seine Freunde waren wohl die ersten Skisportler des Landes. Etwas später, von 1920 bis 1941, war der Libanon französisches Mandatsgebiet. So waren es Franzosen, die hier in den dreißiger Jahren den ersten Skiclub gründeten und den Wintersport im Lande populär machten. Die Pioniere ritten noch auf Eseln an und erklommen dann zu Fuß den Gipfel. Mehr als eine Abfahrt pro Tag war so kaum zu schaffen, aber es war ein Anfang. Straßen, Liftanlagen und erste Hotels entstanden in den fünfziger und sechziger Jahren, und an Mondänität steht vor allem das größte Ski-Resort, Mzaar, heute dem alpinen Sankt Moritz in nichts nach.

Skifahren in Israel

Skifahren in Israel ©iStockphoto/amit erez

Für erprobte Alpinisten stellen die Skigebiete des Libanon keine besondere Herausforderung dar, der durchschnittliche Skifahrer kommt hier jedoch voll auf seine Kosten. Was das bunt gemischte, exotisch anmutende Publikum und die atemberaubende Kulisse angeht, so ist der Libanon als Ski-Destination mit kaum einer anderen zu vergleichen. Bei klarem Wetter scheint von der Piste aus im Norden das Mittelmeer zum Greifen nah, während sich der Blick nach Süden in der Syrischen Wüste verliert. Die Wintersaison im Libanon-Gebirge dauert etwa genauso lange wie die der Alpen. Als schneesicher gilt die Zeit von Weihnachten bis Mitte April.

Die Skigebiete im Einzelnen

1) Mzaar – Ski mondän nach Schweizer Vorbild

Nur 42 Kilometer und gerade mal eine Autostunde von Beirut entfernt liegt im Dorf Faraya die Talstation des Resorts Mzaar. Es ist das größte und mondänste Skigebiet des Libanon, und es hat internationalen Rang. Auf Höhen von bis zu 2500 Metern garantieren 42 Pisten unterschiedlicher Schwierigkeitsgrade und fast genauso viele Skilifte ein abwechslungsreiches Wintersport-Vergnügen. Die insgesamt 80 Pistenkilometer werden von Snowboardern ebenso genutzt wie von Skifahrern. Auch Snowmobil-Fans und Paraglider tummeln sich in Mzaar. Der Blick vom Gipfel über die Bekaa-Hochebene und zu benachbarten Bergen wie dem Laqlouq oder dem Cedars ist atemberaubend, an klaren Tagen kann man auch Beirut und andere Küstenstädte sehen.
Neben dem Wintersport spielt im mondänen Faraya auch „sehen und gesehen werden“ eine wichtige Rolle. Bei den Bars und Cafés rund um die Talstation stellt die arabische High Society ihren Reichtum zur Schau. Schneeanzüge von Gucci, Moonboots von Dior, Damen im Nerzmantel und Herren mit Zigarre und Geländewagen – das schweizerische Sankt Moritz sieht blass dagegen aus.

Ein interessantes Ausflugsziel abseits der Skipisten ist die 30 Meter lange natürliche Felsbrücke von Kfardebian. Auch die Ruinen eines phönizischen Tempels sowie die Reste eines Turms aus der Römerzeit befinden sich in der Nähe.

2) Al Arz – unter den berühmten Zedern des Libanon

Es ist das älteste Ski-Resort des Landes und ein Kontrast-Programm zum mondänen Mzaar: Cedars (auf Arabisch „Al Arz“), benannt nach dem nahe gelegenen Zedernwald, ist ein Paradies für Wintersportler, die die Einsamkeit der Natur suchen. Der erste Skilift im Cedars-Resort wurde im Jahre 1953 erbaut. Heute gibt es hier insgesamt fünf Skilifte und Pisten in sämtlichen Schwierigkeitsgraden. Eine Gondelbahn führt außerdem zum 2870 hohen Gipfel des Berges. Hier befindet sich ein Teleskop im Bau, das einen Blick bis nach Zypern ermöglichen soll.

Wegen der besonderen Höhenlage beginnt die Wintersaison in Al Arz oft schon Anfang November und dauert etwas länger, als in den übrigen Resorts des Libanon. Die herrliche Naturlandschaft rund um die Pisten bietet auch Cross-Country-Fahrern einen besonderen Reiz.

Bei kulturellen Aprés-Ski-Ausflügen ins nahe gelegene Qadisha-Tal lassen sich zahlreiche Kirchen und Klöster besichtigen. Im Dorf Bcharreh zeigt das Khalil Gibran Museum Werke und persönliche Gegenstände des bekanntesten libanesischen Schriftstellers und Künstlers, der hier geboren und auch begraben ist.

3) Laqlouq – landschaftlich vielleicht am schönsten

Bereits seit 1985 gibt es Skilifte am malerisch gelegenen Laqlouq-Plateau. Auf einer Höhe zwischen 1750 und 2000 Metern bieten sich hier exzellente Möglichkeiten für Alpin- und Cross-Country-Ski. Die herrliche Lage, eine ausgezeichnete Skischule vor Ort und die große Auswahl an leichteren Pisten machen das Resort besonders für Familien mit Kindern interessant. Grundsätzlich aber finden alle Winterurlauber, die eine ursprüngliche, unverbaute Umgebung zu schätzen wissen, in Laqlouq ihr Paradies.

Nur 15 Autominuten vom Resort entfernt befindet sich die legendäre Afqa-Grotte – eine Kalksteinhöhle, in deren Innerem der Adonisfluss entspringt. Oberhalb des Dorfes Annaya kann man die zum Museum ausgebaute Einsiedelei des berühmten heiligen Mönches Charbel Makhlouf besuchen.
All die Besonderheiten in der näheren Umgebung tragen dazu bei, dass auch über Laqlouq selbst immer ein gewisser Zauber liegt.

4) Qanat Bakish – klein, aber fein

Bekannt für seine hervorragende Schneequalität ist das kleine Resort Qanat Bakish, etwa 47 Kilometer bzw. eineinhalb Autostunden von Beirut entfernt. Der erste Skilift wurde hier im Jahre 1967 erbaut. Im Laufe der Zeit hat sich das Skigebiet kontinuierlich weiter entwickelt und ist inzwischen auch gut an die Verkehrswege angebunden. Die insgesamt fünf Pisten sind dennoch nicht überlaufen und für Manchen schon allein deshalb attraktiv.

5) Faqra – Skiclub privat

Etwa 45 Kilometer von Beirut entfernt liegt, kurz vor Mzaar, das Skigebiet Faqra. Das als „Faqra Club“ bekannte Resort ist einer der ersten privaten Skiclubs der Welt. Auf einer Höhe zwischen 1735 und 1975 Metern bieten insgesamt sieben Pistenkilometer Abfahrten in unterschiedlichen Schwierigkeitsgraden.
Gegründet im Dorf Kfardebian im Jahre 1974, verfügt der Faqra-Club über hübsch ausgestattete Chalets sowie ein First Class Hotel mit beheiztem Schwimmbad, Tennisplätzen und Fitnesscenter.

Ein lohnendes Ausflugsziel in der Nähe sind die Ruinen des römischen Tempelkomplexes von Qal’at Faqra.

6) Zaarour – von Beirut nur ein Katzensprung

Ebenfalls ein Skiclub ist das Zaarour-Resort an der Ostflanke des Mount Sannine in El Metn. Nur 35 Kilometer von Beirut entfernt finden Skifahrer hier auf den nach Norden gerichteten Pisten (insgesamt 7 Kilometer) eine hervorragende Schneequalität und einen herrlichen Ausblick über das berühmte Tal der Schädel. Zaarour bietet zudem exzellente Möglichkeiten für Cross-Country-Fahrer. In dem privat geführten Resort wird Sicherheit groß geschrieben. Entsprechend umfangreiche Vorkehrungen sollen absolut ungetrübten Ski-Spaß garantieren.

Verständigungs-Probleme haben Skitouristen im Libanon gewöhnlich nicht, neben Arabisch wird auch Englisch oder Französisch gesprochen.
An normalen Wochentagen ist das Skivergnügen gewöhnlich etwas kostengünstiger als am Wochenende.

Wer einen Skiurlaub verbinden möchte mit Sight-Seeing an historischen Stätten und neuen kulturellen Erfahrungen, für den ist der Nahe Osten als Wintersport-Destination eine echte Alternative. Die leckere libanesische Küche wird ihr Übriges dazu beitragen, dass aus dem Urlaub ein besonderes und unvergessliches Erlebnis wird.

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