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Skiurlaub in Adelboden

Ich habe schon einige bekannte Wintersportorte gesehen, ich war in Kitzbühl, Davos, Laax, Meran und St. Moritz, doch am liebsten denke ich an den Ort Adelboden im Berner Oberland zurück, und in den letzten 25 Jahren bin ich immer wieder mal dorthin zurückgekehrt. Entdeckt hatten Adelboden mein Onkel und meine Tante, beide passionierte Skifahrer, ebenso wie meine beiden Cousins. Mein Cousin Johannes, drei Jahre jünger als ich, war damals bereits ein routinierter Skifahrer, sein Vater hatte ihn schon mit drei Jahren beim Skifahren zwischen die Beine genommen. Ich, meine Schwester und unser Cousin Christian mussten das Skifahren dagegen noch von der Pike auf lernen. Das taten wir in einer Adelbodener Skischule, und dank eines lustigen Vogels namens Seppi hatten wir auch ziemlich bald den Bogen raus, oder besser gesagt „das Bögli“, denn Seppi sagte immer: „Ja, bravo, und jetz mach´s Bögli“ Innerhalb von einer Woche hatten wir den Grundschwung raus und machten bereits die Abfahrt nach Hahnenmoos unsicher, wobei es am Ende des Skikurses noch ein Abfahrtsrennen mit allerlei Gaudi und Preisen gab.

Adelboden, das war für uns Kinder immer ein Paradies, wundervolle Abfahrten, keine Warterei an den Talstationen, und es gab immer irgendeine Attraktion für Kinder: Schlittenrennen, Juxskiabfahrten und natürlich das Kino wo immer die neuesten Zeichentrickfilme liefen.

Adelboden ist ein natürlich gewachsener Ort mit grosser Wintersporttradition, wo jährlich Weltcupskirennen stattfinden und man Berühmtheiten wie Aberto Tomba oder Ingmar Stenmark schon mal im Sportgeschäft treffen kann, doch niemand würde in Adelboden viel Aufhebens deswegen machen, und der ganze Ort zeichnet sich durch den gediegenen, unaufdringlichen Stil der Schweizer Gastronomie aus. Niemals habe ich erlebt, dass sich dort irgendjemand über spielende Kinder aufregte, und wenn irgendetwas zu besorgen war, sei es ein dringend benötigtes Medikament oder auch eine neue Bindung für die Skier, das Hotelpersonal hatte immer diese typische Schweizer Ruhe weg und wusste Rat.

Es gab auch immer sehr gutes Essen in Adelboden, und ob traditionelle Gerichte wie Raclette oder ein durch Schweizer Topcuisine verfeinertes Zürcher Rösti mit Geschnetzeltem, wenn wir vom Berg kamen, futterten wir wie die Wölfe. „Mach´s Bögli“ und „Willscht du noch a Röschti“, das wurde im Laufe so mancher Reisen nach Adelboden im Laufe der Jahre zum geflügelten Wort.

Adelboden

Adelboden ©iStockphoto/gevision

Oft spielt einem ja die Erinnerung einen Streich, und so Manches erscheint dann in der Retrospektive durchaus glanzvoller, als es in Wirklichkeit war. Als ich dann aber als Student Jahre später mit einer Clique von Studienfreunden wieder mal ins Berner Oberland kam, war der alte Zauber noch vorhanden. Noch immer verkehrte die Buslinie von Adelboden zur Talstation Hahnenmoos, von wo man dann mit diesen charmanten Vierergondeln ohne Wartezeit- und ohne Knoblauch- oder Obstlerfahnen von Mitpassagieren einatmen zu müssen gemütlich auf den Berg gebracht wird, um sich dann vom Luegli oder Chünesbärgli wieder talwärts zu stürzen. Mein Tipp Adelboden brachte mir unter meinen Freunden viel Ehre ein, und wir waren fast so ausgelassen und sicher ebenso hungrig wie früher als Kinder. Den Gasthof, wo man die beste „Röschti“ bekam, das Restaurant „Zum Bären“ gab es noch, und die Küche schien sogar noch besser geworden.

Ich bin seitdem in die Jahre gekommen, bin abgeklärter, zynischer, grauer und vielleicht sogar ein bisschen weiser geworden. Meine Bandscheiben machen sich bemerkbar, meine Knie knacken verdächtig, und ich stürze mich auch nicht mehr so todesmutig den Berg hinunter. Als ich von Adelboden erzählte, muss ich aber ein jugendliches Feuer entfaltet haben, jedenfalls sagte meine Freundin nach einem etwas weinseligen Abend, dass sie gerne mit mir dorthin fahren würde.

Gesagt, getan, wir fuhren ins Berner Oberland, und in der Vorfreude muss ich mich wie ein Reiseführer angehört haben, und sehr stolz war ich auf mich, dass ich ein so überaus günstiges Chalet ausfindig gemacht hatte. Adelboden war etwas mondäner und moderner geworden, doch ich konnte mich noch gut zurechtfinden. Aber merkwürdig, wo war das Chalet, das ich gebucht hatte- „diese alte Sterz kann´s ja wohl nicht sein!“ sagte meine Freundin, und ich ahnte Schlimmes. Natürlich war das Chalet „diese alte Sterz“ eine Sennerhütte in den Bergen- ziemlich rustikal. Ging man auch nur auf Zehenspitzen umher, krachte das Gebälk in allen Fugen. Meine Freundin sagte nichts, blickte mich nur wie einen armen Irren an- das konnte ja heiter werden!

Es wurde aber trotzdem ein herrlicher Urlaub. Als meine Freundin ihre ersten „Böglis“ auf der Abfahrt Hahnenmoos hinter sich hatte, war sie bereit, mir zu verzeihen. Wir weihten das alte Bauernbett ein, das bedrohlich knarrte, und als ich sie danach fragte „willst du noch a Röschti“, wusste ich, dass mir verziehen war.

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